Augenbrauen im alten Ägypten: Katzentrauer, Kohl und was davon stimmt
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Kurz gesagt
Die bekannteste Quelle zu Augenbrauen im alten Ägypten ist Herodot: Starb eine Katze eines natürlichen Todes, rasierten sich alle Hausbewohner nur die Augenbrauen, beim Tod eines Hundes den ganzen Körper. Herodot schrieb als griechischer Reisender und ist nicht in jedem Punkt verlässlich. Gut belegt ist dagegen der Kohl, mit dem Ägypter aller Schichten ihre Augen betonten.
Das Bild der Ägypterin mit langen schwarzen Linien kennt jeder. Die berühmte Trauer-Rasur kennen weniger, und sie ist einer der ungewöhnlichsten Brauen-Bräuche der Geschichte, falls Herodot richtig liegt. Hier ist, was dasteht und was man daraus schließen darf.
Was Herodot wirklich schreibt
Die Stelle steht im zweiten Buch seiner „Historien“, Kapitel 66 und 67. In der englischen Übersetzung von G. C. Macaulay heißt es, in Häusern, in denen eine Katze eines natürlichen Todes gestorben sei, rasierten alle Bewohner nur die Augenbrauen. Wer dagegen einen Hund verloren habe, rasiere den ganzen Körper und den Kopf.
Kapitel 67 ergänzt: Tote Katzen werden in heilige Gebäude der Stadt Bubastis gebracht, dort einbalsamiert und bestattet. Hunde kommen dagegen in heilige Gräber der jeweiligen Stadt.
| Tier | Trauerbrauch laut Herodot | Bestattung laut Herodot |
|---|---|---|
| Katze | Rasur nur der Augenbrauen | Einbalsamiert in Bubastis |
| Hund | Rasur von Körper und Kopf | In heiligen Gräbern der eigenen Stadt |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens rangiert die Katze bei der Rasur niedriger als der Hund, obwohl sie heute als das heilige Tier Ägyptens gilt. Zweitens gilt die Regel laut Text für einen natürlichen Tod.
Wie verlässlich ist Herodot?
Herodot lebte im 5. Jahrhundert vor Christus und schrieb als griechischer Beobachter über eine für ihn fremde Kultur. Er ist eine unverzichtbare Quelle, aber kein Protokoll. In seinen Berichten stehen auch Dinge, die heute niemand mehr glaubt, und Bustle weist darauf hin, dass er anderswo etwa von Greifen berichtet.
Für die Einordnung heißt das:
- Sicher: Herodot hat es geschrieben.
- Plausibel: Rasieren als Zeichen von Trauer ist auch aus anderen Kulturen bekannt. Hinduistische Männer etwa scheren sich in Teilen Indiens nach einem Todesfall den Kopf.
- Unklar: Wie verbreitet der Brauch war, ob er für alle Schichten galt und wie lange er bestand, lässt sich aus dieser einen Stelle nicht ablesen.
Eine eigenständige ägyptische Bestätigung der Brauenrasur haben wir nicht gefunden. Schreib also besser „Herodot berichtet“ als „die Ägypter taten“.
Warum die Katze? Bastet und Bubastis
Die Stelle passt zum religiösen Rahmen. Die Hauskatze galt als lebendige Verkörperung der Göttin Bastet und schützte Vorräte vor Schädlingen. Bastets Tempel in Bubastis gewann ab der 22. Dynastie, also etwa ab Mitte des 10. Jahrhunderts vor Christus, stark an Bedeutung. Herodot beschreibt das dortige Jahresfest als das größte im Land.
Die Mumifizierung von Tieren wurde ab der Spätzeit um 664 vor Christus häufiger. Mumien wurden Gottheiten geweiht, meist bei Festen oder von Pilgern. Nicht jede Tiermumie ist also die Mumie eines geliebten Haustiers. Warum Tiere überhaupt Brauen zu haben scheinen, verrät Augenbrauen bei Tieren.
Rasur als Reinheit: Die Priester
Das Rasieren hatte in Ägypten laut Herodot noch eine zweite Bedeutung. Er schreibt in Kapitel 36 und 37, dass ägyptische Priester im Gegensatz zu denen anderer Länder ihr Haupt schoren. Außerdem rasierten sie alle zwei Tage den Körper, damit sich beim Dienst an den Göttern weder Läuse noch anderer Schmutz festsetzten.
Hier sieht man den Kontrast zu heute: Haarlosigkeit steht nicht für Schönheit, sondern für Reinheit. Wie sich die Bedeutung kahler Brauen über die Zeit verschob, zeigt weggerasierte Brauen.
Kohl: Das belegte Make-up
Viel besser dokumentiert als die Trauerrasur ist die Kosmetik.
- Alter: Kohl ist in Ägypten etwa seit 3100 vor Christus belegt.
- Nutzer: Alle Schichten, Männer wie Frauen, verwendeten ihn. Bustle berichtet, der Stoff (ägyptisch „mesdemet“) habe die Brauenlinie verlängert.
- Zutaten: Üblich waren Bleiglanz für Schwarz und Malachit für Grün.
- Zweck: Neben dem Aussehen spielte der Schutz eine Rolle. Ein medizinischer Text um 1550 vor Christus beschreibt die Kohl-Bestandteile als schützend für die Augen.
Daraus folgt kein Rat für heute. Bleihaltige Kosmetik ist problematisch, und der „natürliche“ antike Stoff ist keine gute Empfehlung für die eigene Haut.
Kleopatras Brauen
Oft liest man, Kleopatra habe „kräftige Brauen erfunden“. Dafür haben wir keinen Beleg gefunden. Betonte Augen und Brauen gab es in Ägypten Jahrhunderte vor ihr, und Aussagen über ihr konkretes Make-up sind meist spätere Ausschmückung.
Der ägyptische Look heute
Wer sich an die langen Linien wagen will, nimmt moderne, geprüfte Kosmetik statt traditionellem Kohl.
- Braue definieren: Betone die Form mit einem dunklen Stift oder einer Pomade.
- Ende verlängern: Ziehe die Linie außen waagerecht aus, statt sie sinken zu lassen.
- Lidstrich parallel: Der Eyeliner läuft außen in ähnlichem Winkel wie die Braue.
Grundlagen dazu stehen unter Augenbrauen schminken. Wer sich für andere Kulturen interessiert, findet weitere Beispiele in den Brauen-Kulturen der Welt.
Häufige Fragen
Warum rasierten sich die Ägypter die Augenbrauen?
Herodot nennt die Rasur als Trauerbrauch beim Tod einer Hauskatze. Das Motiv selbst erklärt er nicht näher, und sein Bericht ist die Hauptquelle dafür.
War das bei Pharaonen auch so?
Das ist nicht belegt. Herodot spricht allgemein von den Bewohnern eines Hauses. Zu Pharaonen sagt die Stelle nichts.
Wie schminkten die Ägypter ihre Augenbrauen?
Üblich war vor allem Kohl, ein dunkles Pulver auf Basis von Mineralien wie Bleiglanz. Damit wurden Augen und laut Berichten auch die Brauenlinie betont.
Ist Kohl gefährlich?
Traditioneller Kohl kann Blei enthalten, was gesundheitlich bedenklich ist. Die Studienlage ist uneinheitlich. Wähle reguläre, in der EU verkehrsfähige Kosmetik statt Importware unklarer Herkunft.